Vom 5. bis 9. August wurde das Forum der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen zum Ausstellungsort für studentische Positionen zur Wohnungslosigkeit in Köln. Unter dem Titel „Leben unter demselben Himmel“ präsentierten Studierende der Fakultät für Architektur der TH Köln Entwürfe, Untersuchungen und künstlerische Arbeiten, die sich mit den räumlichen Bedingungen des Lebens auf der Straße auseinandersetzen.

Im Mittelpunkt des Ausstellungsteils im Forum standen Entwürfe für temporäre Notunterkünfte und Wohnangebote sowie eine Kartierung von Unterstützungsangeboten für wohnungslose Frauen in Köln. Die Arbeiten gingen der Frage nach, wie Architektur auf eine Lebenssituation reagieren kann, die im Stadtbild sichtbar und zugleich häufig ausgeblendet wird.

Eine Behausung aus IKEA-Tüten

Besonders unmittelbar war eine Installation, die links vom Eingang des Forums zu sehen war. Eine Gruppe von Studierenden hatte sich mit den Erfahrungen wohnungsloser Menschen auseinandergesetzt und dabei erfahren, dass der Wind für viele provisorische Unterkünfte ein erhebliches Problem darstellt.

Die Studierenden entwickelten daraufhin eine einfache Behausung aus IKEA-Tüten. Die ungewöhnliche Konstruktion schafft einen geschützten Innenraum und verfügt über Stauraum und Fenster. Aus einem scheinbar alltäglichen Material entstand so ein konkreter Entwurf, der eine unmittelbare Antwort auf eine zuvor gehörte Erfahrung geben soll. Einer der Studierenden formulierte sogar die Idee, die entstandene Behausung einer wohnungslosen Person zur Verfügung zu stellen.

Mobile Behausungen

In der Ausstellung wurde unter anderem eine Behausung gezeigt, die aus Ikea-Tüten gefertigt wurde. © Sharon Nathan

Nicht über Menschen, sondern mit ihren Perspektiven

Ein weiterer Teil der Ausstellung machte die persönlichen Erfahrungen wohnungsloser Menschen sichtbar. Auf einigen Plakaten wurden Inhalte präsentiert, die sich mit ihren Lebensgeschichten, den individuellen Wegen in die Wohnungslosigkeit und ihrer Perspektive auf das Leben auf der Straße beschäftigten.

Modellansicht Behausung

Woraus können geeignete Behausungen geschaffen werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Studierenden der TH Köln in der Ausstellung „Leben unter demselben Himmel“. © Sharon Nathan

Damit ergänzte die Ausstellung die architektonischen Entwürfe um eine wichtige Ebene: Die Frage nach geeigneten Räumen lässt sich nicht losgelöst von den Menschen betrachten, die diese Räume nutzen. Die Arbeiten machten deutlich, wie wichtig es ist, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse in die Auseinandersetzung einzubeziehen.

Zwei Orte, ein gemeinsames Projekt

„Leben unter demselben Himmel“ war nicht auf das Forum beschränkt. Der zweite Teil der Ausstellung im Projektraum „Unser Ebertplatz e.V.” widmete sich künstlerischen Interventionen für Menschen in der Stadt und der Sichtbarkeit von Wohnungslosigkeit im öffentlichen Raum. Zur Vernissage am 5. August verband ein gemeinsamer Stadtspaziergang beide Ausstellungsorte. So entstand eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Perspektiven und zugleich zwischen den Ausstellungsräumen und dem Stadtraum selbst. Am Sonntag, 9. August, endete die Ausstellung mit der Finissage und einem Podiumsgespräch im Forum. Am Montag wurden die Arbeiten abgebaut.

Die Ausstellung hat damit für einige Tage einen Raum geschaffen, in dem Architektur, Stadt und Wohnungslosigkeit unmittelbar miteinander ins Gespräch kamen. Die studentischen Arbeiten zeigten dabei, wie aus Beobachtungen und Gesprächen konkrete räumliche Ideen entstehen können und welche Fragen sich daraus für die Gestaltung unserer Städte ergeben.